Sonnenuntergang 2009

Wochenspruch 27. September - 16. Sonntag nach Trinitatis -  

Christus Jesus hat dem Tode die Macht genommen und das Leben und ein unvergängliches Wesen ans Licht gebracht durch das Evangelium.   2. Timotheus 1,10b

  

Liebe Mitmenschen,

 

in unserer Zeit der digitalen „Allmächtigkeit“ sollte auch der Tod keine Rolle mehr spielen- so jedenfalls das Wunschdenken der Genmolekulartechnik. Ein uralter Menschheitstraum wäre dann erreicht: Ewiges Leben. 

Am Anfang der Bibel wird in einem knapp 3000 Jahre alten Schöpfungsmythos vom Paradies erzählt. Es ging verloren, weil wir Menschen wie Gott sein wollten: unsterblich und allwissend. Zwei Bäume im Paradiesgarten stehen für diese menschliche Hybris: Der Baum des Lebens und der Baum der Erkenntnis des Guten und des Bösen. Dass die Fähigkeit zu immer größerer Erkenntnis nicht nur Segen gebracht hat, spüren wir in der derzeitigen Krise überdeutlich. Und: Die drohende Klimakatastrophe lässt sich bisher auch nicht mit modernster digitaler Technik aufhalten. Dem Tode mit menschlichen Fähigkeiten die Macht nehmen zu wollen kann leicht zum Horrorszenario werden- denn wer will schon wirklich ewig leben, wenn es kein lebenswertes menschliches Leben mehr gibt. Mit dem  o.a. Wochenspruch schreibt der Apostel Paulus seinem treuen Gefährten Timotheus mutmachende Zeilen in einer Zeit des Leidens um des Evangeliums willen. Für den Apostel ist das befreiende Christusereignis, das ihm persönlich widerfahren ist, so mächtig, dass es für ihn keinen Tod mehr gibt  als Trennung vom Leben. In seiner Christusverbundenheit weiß Paulus: Ich bin in Gottes Liebe und in seinem ewigen Leben geborgen als der Mensch, der ich sein und immer mehr werden darf. Wie aber kommt es zu so einer tiefen Geborgenheit und Gewissheit ohne menschliche Wundertechnik? Ganz schlicht: Durch Gottes Gnade in der Lebenshingabe Jesu für uns, durch das Wirken seines Lebensgeistes an uns und in uns und ganz zuletzt auch durch unseren Glauben, der nichts anderes sein soll als ein bedingungsloses „sich Gott anvertrauen“ in all unserem geschenkten Dasein. 

In einem Lied aus unserem Neuen Liederbuch „wo wir dich loben wachsen neue Lieder“ fand ich dazu einen Text von Dietrich Bonhoeffer, für den der -allzu frühe Märtyrertod- der Eingang ins Leben war: 

Menschen gehen zu Gott in ihrer Not, flehen um Hilfe, bitten um Glück und Brot,

um Errettung aus Krankheit, Schuld und Tod. So tun sie alle, alle, Christen und Heiden.

Menschen gehen zu Gott in seiner Not, finden ihn arm, geschmäht, ohne Obdach und Brot,

sehn ihn verschlungen von Sünde, Schwachheit und Tod, Christen stehen bei Gott in seinem Leiden.

Gott geht zu allen Menschen in ihrer Not, sättigt den Leib und die Seele mit seinem Brot,

stirbt für Christen und Heiden den Kreuzestod, und vergibt ihnen beiden. 

 

Ihr Pfarrer Jürgen Ebert 

 

   

  

zum mitsingen: Geh aus mein Herz

Das Gebetsläuten ist bei uns in der Sommerzeit um 20.00 Uhr. Unsere Landeskirche ruft zum abendlichen Gebet auf. So wollen wir gemeinsam ein Zeichen der Solidarität setzen und zu einem Moment des Innehaltens vor Gott einladen. Landesbischof July hat das wie folgt formuliert: „Die Glocken sollen uns daran erinnern, dass wir unser Leben auch in diesen Krisentagen mit dem großen Horizont der Gegenwart Gottes sehen. Die Glocken rufen uns zur Andacht und Fürbitte. Wir denken an die kranken Menschen und alle, die im medizinisch-pflegerischen Bereich, im öffentlichen Dienst, in den Familien und Nachbarschaften für Unterstützung und Hilfe sorgen.“
 
Als Zeichen der Verbundenheit kann eine Kerze ans Fenster gestellt werden.
Im evangelischen Gesangbuch finden sich dazu Abendlieder, Andachten und Gebete, z.B. EG 671:

 

Diesen Tag, Herr, leg ich zurück in deine Hände, denn du gabst ihn mir.
Du, Gott, bist doch der Zeiten Ursprung und ihr Ende, ich vertraue dir.
Kommen dunkle Schatten über die Welt, wenn die Angst zu leben mich plötzlich befällt:
Du machst das Dunkel hell…

zum mitsingen: Diesen Tag Herr

zum mitsingen: Der Abend kommt

zum mitsingen: Der Mond ist aufgegangen